Was macht ein AC/DC-Fan, sobald er erfährt, dass Karten für die Deutschland-Tour 2015 reservierbar sind? Richtig: Er reserviert sofort die maximal zuteilbaren vier Stück, in der Hoffnung wenigsten eine davon zu erhalten. Bei den von Eventim verlangten Zahlungsgebühr von 8,72 € und Versandkosten von 29,90 € muss er zwar schlucken, nickt diese aber ab, denn als Alternative bliebe ihm nur, am Ende ohne Karten da zu stehen. So wie es mir zum Beispiel bei der letzten Tour ging, als Eventim von mir unbemerkt den Vorverkaufsstart von 9:00 auf 2:00 vorverlegt hatte.

Nur: Darf Eventim solche Gebühren überhaupt verlangen? Und muss Eventim bereits gezahlte Gebühren zurückverlangen?

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hält die Gebühren für unzulässig, hat Eventim deswegen abgemahnt und rät den Fans, die Gebühren zurück zu verlangen. Allein die Tatsache, dass eine Verbraucherschutzorganisation ein Verhalten für rechtswidrig hält, bedeutet allerdings nicht zwingend, dass es tatsächlich rechtswidrig ist. Das kann nur ein Gericht entscheiden. Die Chancen stehen für die AC/DC-Fans aber nicht schlecht:

Zahlungsgebühr

Es ist gesetzlich geregelt, dass einem Verbraucher mindestens eine kostenlose Zahlungsmöglichkeit eingeräumt werden muss:

§ 312a Abs. 4 BGB
Eine Vereinbarung, durch die ein Verbraucher verpflichtet wird, ein Entgelt dafür zu zahlen, dass er für die Erfüllung seiner vertraglichen Pflichten ein bestimmtes Zahlungsmittel nutzt, ist unwirksam, wenn
1. für den Verbraucher keine gängige und zumutbare unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit besteht oder
2. das vereinbarte Entgelt über die Kosten hinausgeht, die dem Unternehmer durch die Nutzung des Zahlungsmittels entstehen.

Da Eventim keine kostenlose Zahlungsmöglichkeit angeboten hat, sondern sowohl für Lastschrift- als auch Kreditkartenzahlung 8,72 € haben möchte, ist diese „Gebühr“ rechtswidrig und muss zurückerstattet werden. Hinzu kommt, dass keine Bank dieser Welt für einen Lastschrifteinzug 8,72 € berechnet.

Premiumversand und Bearbeitungsgebühr

Hier ist es nicht ganz so einfach. Es gibt keine gesetzliche Regelung, wie hoch Versandkosten sein dürfen. Der Unternehmer (hier: Eventim) ist lediglich nach §§ 314d BGB Abs. 1, Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 4 EGBGB verpflichtet, die Höhe der Versandkosten anzugeben. Das hat Eventim getan.
Es spricht aber einiges dafür, dass die Vereinbarung dieser Gebühren als wucherähnliches Geschäft sittenwidrig ist. Denn wenn bei tatsächlichen Portokosten von 0,90 € Versandkosten von 29,90 € verlangt werden, ist dies auch nicht mit dem Bearbeitungsaufwand mehr zu rechtfertigen. Zudem hat Eventim hier seine Monopolstellung ausgenutzt.

Was tun?

Rückforderungsansprüche gegen Eventim verjähren erst am 31.12.2017. Es bleibt also genug Zeit, die Entwicklung der Dinge abzuwarten, insbesondere wie Eventim gegenüber der Verbraucherzentrale reagieren wird, was sicherlich die Runde durchs Netz machen wird.

Wer das nicht abwarten will, kann dieses Musterschreiben verwenden, das an den roten Stellen individuell angepasst werden muss.